So verläuft die Diagnose des Vorhofflimmerns

Vorhofflimmern ist eine unregelmäßige, oft schnelle Herzschlagfolge, die das Risiko für Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und andere ernsthafte Gesundheitsprobleme erhöhen kann. Die rechtzeitige Diagnose von Vorhofflimmern spielt eine entscheidende Rolle bei der Prävention von Komplikationen und der Auswahl der passenden Therapien.

Von Silja Klassen

 

Bildquelle (Bild oben): iStock/sudok1

Kardiologinnen und Kardiologen diagnostizieren Vorhofflimmern auf der Grundlage der medizinischen Anamnese, also der Kranken- und Familiengeschichte der Patientin oder des Patienten, einer körperlichen Untersuchung, der Ergebnisse eines Elektrokardiogramms (EKG) und möglicher weiterer Tests und Verfahren.

 

Diagnose Vorhofflimmern – ein erster Schritt ist das Pulstasten

„Als ersten Schritt für eine frühzeitige Erkennung empfehle ich, ab 65 Jahren den Puls regelmäßig prüfen zu lassen“, sagt Prof. Christian Meyer vom Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf. „Denn der Puls ist bei Vorhofflimmern sehr häufig beschleunigt und unregelmäßig. Wenn es dann Auffälligkeiten gibt, schreiben die Ärzte und Ärztinnen ein EKG.“

 

Der optimale Ruhepuls liegt bei den meisten Menschen zwischen 50 bis 70 pro Minute. Alles unter 60 ist langsam, und alles über 100 ist zu schnell. Erkrankungen wie Vorhofflimmern können genauso wie Aufregung, Stress und verschiedene Faktoren den Puls beeinflussen und dauerhaft verändern. Achten Sie darauf, dass der Puls regelmäßig ist. Wenn er aus dem Takt geraten ist, kann es – ähnlich wie das sogenannte Herzstolpern – ein Zeichen für Vorhofflimmern sein. Jeder kann versuchen, selbst den Puls zu prüfen: Sie können Ihren Puls gut an der Innenseite des Handgelenks fühlen, unterhalb des Daumens, da die Arterie dort direkt unter der Hautoberfläche liegt. „Wer seinen Puls gut kennt, kann Unregelmäßigkeiten schneller feststellen“, erklärt Prof. Meyer.

 

So geht‘s: Legen Sie Zeige- und Mittelfinger fest auf die Ader am Handgelenk und der Puls lässt sich gut spüren. Dieser Punkt befindet sich dort, wo der Muskel Ihres Daumens in Ihr Handgelenk übergeht. Nun werden die Herzschläge pro Minute gezählt. Die besten Ergebnisse des Ruhepulses erhalten Sie am Morgen, kurz nach dem Aufstehen.

Prof. Christian Meyer Prof. Christian Meyer, Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf. Bildquelle: privat

Wie wird Vorhofflimmern diagnostiziert?

Eine sichere Diagnose von Vorhofflimmern ist in den allermeisten Fällen mit einer gut auswertbaren EKG-Aufzeichnung möglich. Zusätzlich können Smartwatches mit einer App, die den Herzrhythmus aufzeichnet, laut einer Studie eine Hilfe sein, indem sie erste wichtige Hinweise für Unregelmäßigkeiten des Herzschlags geben. „Das kann für Menschen mit einem hohen Risiko, wie Bluthochdruck oder Adipositas, sinnvoll sein“, sagt Prof. Meyer. Im Folgenden sind die Möglichkeiten aufgeführt, mit denen Ärztinnen und Ärzte Vorhofflimmern eindeutig feststellen können.

 

Elektrokardiogramm

Das Elektrokardiogramm (EKG) ist eine der grundlegendsten und häufigsten Methoden zur Diagnose von Vorhofflimmern. Es zeichnet die elektrische Aktivität des Herzens auf und kann Unregelmäßigkeiten im Herzrhythmus erkennen. Dafür werden kleine Elektroden auf die Haut der Patientin oder des Patienten geheftet, in der Regel auf der Brust und an Armen und Beinen (12-Kanal-EKG). Die Elektroden erfassen die elektrischen Signale, die das Herz erzeugt. Das EKG stellt sie dann als Kurven oder Wellen dar. Wenn ein Vorhofflimmern vorhanden ist, zeigt es sich durch typische Unregelmäßigkeiten in dieser Aufzeichnung.

 

Langzeit-EKG-Monitoring

Ein sogenanntes intermittierendes Vorhofflimmern – das also nachlässt, dann wieder auftritt – zeigt sich oft nicht während der Dauer eines Standard-EKGs. Bei Verdacht auf so ein wiederkehrendes Vorhofflimmern kann bei Patientinnen und Patienten ein Langzeit-EKG-Monitoring von 24 Stunden bis zu mehreren Wochen durchgeführt werden. Das hilft, Vorhofflimmern zu erfassen, das in kurzen Episoden auftreten kann.

 

Event- oder Ereignisrekorder

Wenn das Risiko für Vorhofflimmern sehr hoch ist, können in ausgewählten Fällen auch kleine implantierbare Ereignisrekorder im Bereich des Brustbeins unter die Haut eingesetzt werden. Mit Hilfe eines solchen Rekorders lassen sich Herzrhythmusstörungen feststellen, die anfallsweise auftreten und in der beschwerdefreien Phase nicht im EKG nachweisbar sind. Sie zeichnen die Herzaktivität spontan beziehungsweise bei Beschwerden auf und erfassen diese genau.

 

Echokardiogramm

Ein Echokardiogramm verwendet Ultraschallwellen, um die Struktur und Funktion des Herzens zu beurteilen. Es kann helfen, strukturelle Anomalien oder Herzerkrankungen zu identifizieren, die Vorhofflimmern auslösen beziehungsweise als Folge dessen entstehen können. Ein typisches Beispiel für die gegenseitige Wechselwirkung: Eine Herzinsuffizienz begünstigt die Entstehung von Vorhofflimmern, umgekehrt kann Vorhofflimmern zu einer Herzinsuffizienz führen.

 

Warum ist die rechtzeitige Diagnose von Vorhofflimmern von Bedeutung?

„Vorhofflimmern wird in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch unterschätzt“, sagt Prof. Meyer. Doch je schneller eine Diagnose vorliegt, desto besser trägt die dann möglicherweise folgende Behandlung dazu bei, schwerwiegende Folgeerkrankungen zu verhindern. Auch ist die Diagnose zur Verlaufsbeurteilung sowie für die Therapieplanung und Prognoseabschätzung relevant. Unbehandeltes Vorhofflimmern kann zu Blutgerinnseln im Herzen führen, die sich lösen und zu einem Schlaganfall führen können, eine der gefürchtetsten Komplikation von Vorhofflimmern. „Zwar ist Vorhofflimmern bei normaler Herzfrequenz in der Regel nicht akut lebensbedrohlich“, erklärt Prof. Meyer, „aber es birgt ein schleichendes und langfristiges großes Risiko für die Gesundheit“.

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